„Kaufbeuren unterm Hakenkreuz.
Eine Stadt geht auf Spurensuche.“
Oktober 2018–Mai 2020


Als Reaktion auf einen städtischen Diskurs über seinen Ausstellungsbereich zum Nationalsozialismus in Kaufbeuren, möchte das Stadtmuseum in einer geplanten Sonderausstellung (31.Oktober 2019 - Mai 2020) das Thema neu beleuchten und aktuelle Bezüge herstellen. Das Besondere daran? Die Menschen der Stadt werden in den Entwicklungsprozess eingebunden.

Gemeinsam mit der Historikerin Nina Lutz und der Kulturwissenschaftlerin und Expertin für partizipative Museen Carolin Keim arbeiten acht Kooperationspartner aus der Stadtgesellschaft ein Jahr lang an unterschiedlichen themenbezogenen Projekten. Dabei soll die NS-Geschichte der Kleinstadt ebenso unter die Lupe genommen werden wie die Frage, wie wir heute mit Ausgrenzung, Rassismus und der NS-Vergangenheit umgehen. Am Ende wird eine Sonderausstellung von und für Bürger*innen entstehen, die durchwoben ist von Objekten, Erinnerungen, Anregungen und Gedanken aus der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Partnerprojekte werden u.a. in Form von „Heute-Modulen“ in die Sonderausstellung einfließen und das Thema an unterschiedlichen Orten im öffentlichen Raum sichtbar machen.

Das Projekt wird im Fonds Stadtgefährten der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Kooperationspartner:
Bundesprogramm „Demokratie Leben!“, Generationenhaus Kaufbeuren mit dem „Zeitreisetreff“, Jakob-Brucker-Gymnasium, Kulturwerkstatt Kaufbeuren, Marien-Gymnasium, querKUNST, Seniorenbeirat Kaufbeuren mit den „Neugablonzer Zeitzeugen“, vhs Kaufbeuren mit dem AKF (Arbeitskreis Fotografie)


Mai 2019

Suchaufruf: Wer besitzt einen Kleiderbügel aus dem Geschäft des jüdischen Bürgers Ernst Buxbaum?

Im Frühjahr 2018 startete das Stadtmuseum Kaufbeuren einen Sammlungsaufruf, um Kaufbeurer Objekte aus der NS-Zeit zu finden. Eine Kaufbeurerin bot in diesem Zusammenhang einen Holzbügel aus dem Kleidergeschäft von Ernst Buxbaum an –  ein für das Museum äußerst interessantes Objekt. Leider ging die Spur zu der potentielle Leihgeberin verloren.

Das Museums-Team bittet um Mithilfe:
Wer kennt die Kaufbeurerin mit besagtem Kleiderbügel? Wer ist möglicherweise selbst im Besitz eines Bügels aus dem jüdischem Kleidergeschäft? Bitte erzählen Sie auch Verwandten und Bekannten, die als mögliche Leihgeber*innen in Frage kommen, von diesem Suchaufruf.
Kontakt zum Stadtmuseum:
Tel 08341-966 83 90
stadtmuseum@kaufbeuren.de
Kaisergäßchen 12–14

Ernst Buxbaum (1897-1940) – ein Kaufbeurer Bürger jüdischen Glaubens
Im Jahr 1933 lebten in Kaufbeuren lediglich zwei jüdische Bürger, der Metzger  Willhelm Lion und der Kaufmann Ernst Buxbaum. Lion zog 1934/35 nach Augsburg, Buxbaum dagegen betrieb bis 1938 ein Textil- und Damenkonfektionsgeschäft zunächst in der Schmiedgasse 2, später im Rosental 21. Ab 1933 war der Kaufmann antijüdischen Boykottmaßnahmen ausgesetzt, durch die er nicht nur wirtschaftliche Einbußen erlitt, sondern auch gezwungen war, neue Geschäftsräume zu suchen. Durch eine verleumderische Anzeige der Rassenschande wurde Buxbaum 1938 in Schutzhaft genommen und bis Februar 1939 im KZ Dachau inhaftiert. Während dieser Zeit wurde sein Geschäft in Kaufbeuren aufgelöst und für einen geringfügigen Preis durch einen Weilheimer Kaufmann aufgekauft. Nach der Entlassung aus dem Konzentrationslager lebte Buxbaum mit seinem Bruder Emil in München, wo er sich schließlich am 19.4.1940 in seiner Wohnung erhängte, „da ihm die Nazis derart zugesetzt haben“, wie seine überlebenden Brüder später angaben.


März 2019

Tagebuch-Projekt am Marien Gymnasium:
Wie war der Alltag einer Teenagerin zur NS-Zeit in Kaufbeuren?

Am Marien-Gymnasium beschäftigen sich Elftklässlerinnen des P-Seminars „Geschichte“ mit dem Tagebuch eines Mädchens, das zur NS-Zeit in Kaufbeuren lebte. Ihre Cousine, Maria Fischer, stellte das beeindruckende Zeitdokument zur Verfügung.

Die Schülerinnen erhoffen sich neue Einblicke in den Alltag einer Jugendlichen, die den Nationalsozialismus in der eigenen Heimatstadt erlebte. Ob das Mädchen ihnen wohl ähnelt? Auch die Fragen, wovor Menschen grundsätzlich Angst haben und warum sie anfangen so zu denken, bewegt sie.

Den Wunsch ihrer Cousine, dass niemand ihr Tagebuch lesen soll, hat Frau Fischer nicht erfüllt. Zu wichtig erscheint es ihr, dass die damalige Zeit wieder mehr ins Bewusstsein rückt – gerade heute angesichts wachsender rechter Tendenzen.

www.marien-gymnasium.de


Januar 2019

Kooperationspartner Querkunst startet mit Jugendlichen Filmprojekt über Zivilcourage 

Nach und nach stellen wir hier unsere Partner und ihre Projekte vor, die Teil unserer Sonderausstellung "Kaufbeuren unterm Hakenkreuz. Eine Stadt geht auf Spurensuche" werden. Querkunst macht heute den Anfang.

Am 25. Januar besuchte uns die Projektgruppe unter Leitung von Tatjana Nocker im Museum und befragte unsere Historikerin Nina Lutz mit großem Interesse zum Thema Nationalsozialismus. Das Interview fand vor laufender Kamera statt, denn die Schüler*innen planen einen Film für unsere Sonderausstellung: „Mut – damals und heute“ soll er heißen. Toll! Wir sind schon sehr gespannt und wünschen Team Querkunst viel Spaß bei der Arbeit!

Über Querkunst: Der Kunstraum in Kaufbeuren will die Lust auf Kunst wecken und spricht mit seinem vielfältigen Angebot alle Altersgruppen an. Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern vor allem der Prozess.

www.querkunst-kaufbeuren.de


November 2018

Team-Schulung der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) im Stadtmuseum

Unsere Projektpartner und wir haben am 22. November viel darüber gelernt, wie wir Rechtsextremismus erkennen und mit rechten Parolen umgehen können. Vielen Dank an Tanja Ohrner und Andrea Probst von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) für den informativen, kurzweiligen Vormittag und die vielen Denkanstöße für unsere weitere Projektarbeit.

Wie geht es weiter? Wir werden auf Basis der BIGE-Schulung einen eigenen Workshop entwickeln, der unsere Jugendlichen auf die geplanten Interviews mit Zeitzeugen vorbereiten soll. Außerdem wollen wir intern klären, wie wir möglichen Ausstellungsbesucher*innen der rechten Szene begegnen können und entsprechende Vorbereitungen dafür treffen.


Oktober 2018

Die Spurensuche beginnt!

Öffentliche Auftaktveranstaltung am 25.10.2018 um 18 Uhr im Haus St. Martin

Das Stadtmuseum Kaufbeuren stellt das Projektvorhaben und seine Kooperationspartner vor und lädt alle Bürger*innen zum Mit-Diskutieren ein: Wer weiß von Kaufbeurer (Familien-)Geschichten aus der NS-Zeit? Wer könnte als Zeitzeug*in befragt werden? Wer möchte zu Wort kommen? Welche Orte und Themen sind relevant? Wo sehen die Kaufbeurer*innen Themen wie Ausgrenzung, Rassismus oder Zivilcourage in unserer heutigen Gesellschaft verortet?
Die Mitmach-Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gestaltet.


Juni 2018

Die Suche nach Objekten zur NS-Zeit in Kaufbeuren geht weiter

Die Sonderausstellung "Kaufbeuren unterm Hakenkreuz" soll eine Ausstellung von und für Bürger*innen werden, zu der Sie mit Exponaten, Erinnerungen, Geschichten und Gedanken beitragen können.
Haben Sie noch Dinge aus der NS-Zeit? Haben Sie oder Mitglieder Ihrer Familie den Nationalsozialismus persönlich erlebt und können Sie sich vorstellen, als Zeitzeuge für das Projekt zur Verfügung zu stehen?
Für eine Kontaktaufnahme mit anschließender Terminvereinbarung bittet das Stadtmuseum um Zusendung einer Email (ggf.mit Foto des Objekts) an petra.weber@kaufbeuren.de bzw. nina.lutz@kaufbeuren.de.

   

April 2018

Der Sammlungsaufruf im Fernsehen

Mittwoch Abend (14.04.18) wurde im TV Allgäu ein Beitrag des Stadtmuseums über den Sammlungsaufruf zu Stücken aus der NS-Zeit gesendet.
Auf YouTube können Sie sich den Beitrag anschauen.
Hier geht's zur Sendung. (Ca. ab Minute 25)

Panoramabild und kleine Fotos: © Stadtmuseum Kaufbeuren
Foto Rathaus: © Kaufbeuren Marketing

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Museumswebsite gefördert durch:

Landesstelle für die nichtstaatlichen Mussen in Bayern
Bayerische Sparkassenstiftung
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